Beim Aufbau der Lenksäulen gibt es grosse Unterschiede. Sowohl aufgrund der laufenden Änderung der gesetzlichen Bestimmungen, wie auch der Fahrzeugausstattung selbst. Dementsprechend variiert die Komplexität entsprechend und Möglichkeit diese selbst zu restaurieren. In Fall meines 67’er Cougar ist ein Vakuum- gesteuertes, wegkippende, starre Lenksäule verbaut.

Problematiken

Die Lenksäule ist ein nicht zu unterschätzendes Bauteil. Entsprechend sollte dies eingehend geprüft und entsprechend restauriert werden. Für die hier genannte Lenksäule habe ich folgende Arbeiten durchgeführt:

  • Reinigung und schmieren des oberen und unteren Kugellagers
  • Reinigung, schmieren und einstellen des Kreuzgelenks
  • Ersetzen des Tilt-Away Aufpralldämpfers
  • Ersetzen der Gelenkstifte und anbringen von Stellringen.
  • Ersetzen der Blinker- Grundplatte
  • Neuwicklung des Kabelstrangs und ersetzen des Steckers
  • Entrosten und Glasstrahlen aller Teile
  • Lackieren der Bauteile mit 2k Lack

Demontage

Die Lenksäule war in einem schlechten Zustand, die Vakuumbetätigung war nicht mehr funktionstüchtig und wurde abgehängt. Der Knopf für den Pannenblinker war abgerissen und der Hebel für den Blinker und die Höhenverstellung verbogen. Zudem wurde ein Sportlenkrad und eine entsprechend andere Aufnahme montiert.

Lenksäule im Originalzustand, eingebaut. Kopf der noch zusammengebauten Lenksäule

Als erster Schritt wird das Gehäuse der Lenksäule entfernt. Hierzu müssen die verschiedenen Anbauteile der Vakuumbetätigung sowie die Elektrik entfernt werden. Um die Blinkerplatte resp. den Kabelbaum zu entfernen muss der Stecker abgenommen werden.

Kopf der noch zusammengebauten Lenksäule Kopf der noch zusammengebauten Lenksäule

Um mit der Lenksäule arbeiten zu können wurde ein kleine Aufbau hergestellt. Dieser ermöglicht das drehen des Bauteils ohne das die Anbauten anstehen, was die Arbeit enorm vereinfacht. Sobald die Anbauteile und der Kabelbau entfernt wurde kann das Lenkgestänge entfernt werden.

Teildemontierte Lenksäule Teildemontierte Lenksäule

Die oberen zwei Teile der Lenksäule können durch das entfernen zweier Stifte getrennt werden. Dazu ist ein entsprechender Auszieher erforderlich, welcher mittels einem TIG- Schweissgerät auch selber hergestellt werden kann. Das kleinere Gewinde ist ein Zollmass, dieses muss mit dem Stift übereinstimmen. Das grössere Gewinde kann frei gewählt werden, in diesem Fall M8.

Angefertigtes Spezialwerkzeug Angefertigtes Spezialwerkzeug

Um den Stift schlussendlich zu entfernen wird das ganze am besten in einen Schraubstock eingespannt. Zudem muss die Betätigung der Höhenverstellung mittels Zange arretiert werden. Anschliessend kann der Stift mit einer Passenden Hülse, in diesem Fall ein 11’er Steckschlüsseleinsatz herausgezogen werden. Das wärmen des Bauteils kann das entfernen vereinfachen.

Entfernen der Pins mittels Spezialwerkzeug Entfernen der Pins mittels Spezialwerkzeug

Mit dem zerlegten oberen Teil der Lenksäule hat man nun Zugang zum oberen und unteren Kugellager sowie dem Kreuzgelenk. Das entfernen der zwei weiteren Pins ist nicht nötig da diese Gelenk ohne weites so gereinigt und neu geschmiert werden kann.

Oberer Teil der Lenksäule mit entfernten Pins Oberer Teil der Lenksäule mit entfernten Pins

Vom ursprünglichen Fett aus dem Jahre 1967 ist wie zu erwarten nicht mehr viel übrig. Die beiden verbauten Lager habe ich in einem starken Reinigungsbad vom alten Fett befreit.

Obere Hälfte des Lenkkopfes mit verharztem Kugellager Obere Hälfte des Lenkkopfes mit verharztem Kugellager

Mit dem Hammer und einem Durchschlag können die beiden Kugellager problemlos ausgebaut werden. Der Durchschlag darf jedoch nur auf den äusseren Ring des Lagers angewendet werden.

Ausgebautes Kugellager des Lenkkopfes Ausgebautes Kugellager des Lenkkopfes

Die zu lackierenden Bauteile werden je nach Material von Hand abgeschliffen und entfettet. So dass diese bereit sind zur Lackierung.

Zur Lackierung vorbereitete Teil Zur Lackierung vorbereitete Teile

Die Teile werden mit einem speziellen 2k Lack lackiert.

Lackierte Einzelteile der Lenksäule Lackierte Einzelteile der Lenksäule

Vor dem Zusammenbau müssen die restlichen Bauteile noch neu geschmiert und eingestellt werden. So zum Beispiel das Kreuzgelenk. Dieses hat nach über 50 Jahren ziemlich Spiel, was sich negativ auf das Lenkverhalten auswirkt. Das Gelenk wird neu geschmiert und das Gewinde mittels Loctite gegen lösen gesichert.

Demontiertes Kreuzgelenk Demontiertes Kreuzgelenk

Eine weitere wichtige Restaurationsarbeit ist das Ersetzen der Gelenk-Stifte. Das Problem ist, dass diese mittels einer mechanischen Verformung gegen das verschieben gesichert wurden. Die Klemmkraft dieser Verformung lässt jedoch mit der Zeit nach, vor allem bei dieser «weichen» Legierung. Das kann dazu führen, dass die Klemmbacken verkanten und die Führung des Gelenk-Stiftes abbricht. Deshalb habe ich hier längere Stifte eingesetzt und diese mittels Stellringen an den beiden enden gesichert.

Ersetzen der Gelenk-Stifte Ersetzen der Gelenk-Stifte

Eine ähnliche Problematik besteht beim Aufpralldämpfer der Vakuum-Betätigung. Ist dieser verschlissen treffen bei der Auslösung die beiden Gussteile ungeschützt aufeinander. Dabei besteht die Gefahr das diese brechen, eine Reparatur ist dann kaum mehr möglich. Wie auf dem Bild zu sehen ist der Kunststoff so spröde das der Dämpfer gebrochen ist. Diesen habe ich deshalb mit einem neuen, aus speziellem, Nylon hergestellten Dämpfer ersetzt.

Neuer Nylon Aufpralldämpfer Neuer Nylon Aufpralldämpfer

Nachdem alle Teile gereinigt, lackiert und repariert wurden sind diese nun bereits zum Zusammenbau.

Zum Zusammenbau vorbereitete Bauteile Zum Zusammenbau vorbereitete Bauteile

Die Lenksäule wird Grundsätzlich rückwärts wieder zusammengebaut. Den Kabelstrang habe ich neu gewickelt und die Blinkergrundplatte ersetzt, da die automatische Rückstellung defekt war. Alle beweglichen Teile, wie das Kreuzgelenk und die Kugellager wurden neu geschmiert. Das einpressen der Stifte welche vorher entfernt wurde muss mit grosser Sorgfalt geschehen, da ein falsches ansetzen hier schnell zum Bruck des Gussteils führen kann. Ist der obere Teil der Lenksäule zusammengebaut, kann dieser in das Gehäuse eingesetzt werden.

Gehäuse und Lenksäule zum Zusammenbau vorbereitet Gehäuse und Lenksäule zum Zusammenbau vorbereitet

Nachdem Zusammenbau kann die obere Abdeckung sowie der Stecker am Kabelbaum angebracht werden. Anschliessend kann die Lenksäule im Fahrzeug verbaut werden.

Restaurierte 1967 Mercury Cougar GT Tilt-Away Lenksäule Restaurierte 1967 Mercury Cougar GT Tilt-Away Lenksäule